Als der Düsseldorfer Landtag am 25. Mai 1954 das WDR-Gesetz ratifizierte und damit das Ende des NWDR einläutete, blieb das erst einmal ohne Folgen. Noch galt nämlich eine britische Verordnung, die der alten Vierländeranstalt das Sendemonopol zusprach. Erst als diese Verordnung geändert wurde, war der Weg frei für den WDR. Am 1. Januar 1956 wurde die Scheidung deutlich hörbar vollzogen. Während der WDR mit Beethovens Lied "In allen guten Stunden" die neue Selbstständigkeit feierte, wählte der NDR ein Brahms-Motiv. "Wie aber der Freund sich in der Not bewährt, so möchte der Westdeutsche Rundfunk auch in wenigen guten Stunden Ihnen zur Seite sein mit dem Zuspruch, den das Erhabene und Schöne, die Kraft des Gedankens und die Macht der Kunst tröstend zu spenden wissen“, sagte Intendant Hanns Hartmann zum Start. Den Auftrag, die Macht der Kunst zu nutzen, leitete der Gründungsintendant aus dem 1954 erlassenen WDR-Gesetz ab. Der Sender habe die weltanschaulichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Richtungen zu berücksichtigen, hieß es dort.
Man muss ab und an in den alten Bänden stöbern, wenn man das aktuelle Programm des WDR betrachtet, wenn man von seichten Seifenopern oder schlecht geträllerten Schlagern belästigt wird und dann noch schaut, welches Nischendasein die Kultur im WDR Fernsehprogramm fristet. Natürlich kommt bei solchen Vorhaltungen schnell der Verweis auf die Klangkörper, ohne die das kulturelle Leben im Lande sicherlich ein ärmeres wäre. Auch die Erwähnung der Radiowellen WDR 3 und WDR 5 hilft ein wenig, den Eindruck zu vermeiden, es werde in Köln nur noch im Seichten gefischt.
Solch ein Eindruck entsteht, weil der WDR schon lange nicht mehr zu einstiger Größe fähig scheint. Vorbei die Zeiten, da beinahe jede Unterhaltungsinnovation in Köln gefertigt wurde; vorbei die Tage, da gute Journalisten beinahe zwangsläufig im WDR sozialisiert und hervorragend ausgebildet wurden; vorbei die Phase, in der nicht nur einer wie Alfred Biolek beim WDR wild experimentieren durfte. Wer heute im WDR etwas ganz anders machen will, stößt schnell an Grenzen.
Heute ist der WDR mit seinem WDR Fernsehen, seinen sechs Radioprogrammen und seinen Beteiligungen an den ARD-Spartenkanälen vor allem eine Anstalt unter Sparzwang. Mit rund 4000 Mitarbeitern ist der Sender der größte in der ARD und steht unter dem Druck, verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden. Derzeit sucht er sein Heil vor allem im Regionalen. Aus elf Studios im Lande sendet der WDR seine "Lokalzeit" und steht damit zumindest nach Quoten hervorragend da. Es gibt gar Stimmen, die sagen, der WDR habe durch die Wucht seiner regionalen Berichterstattung mehr für die NRW-Einheit getan als manch anderer. Allerdings stößt der Drang ins Lokale an Grenzen, wo sich Verleger in ihren Interessen bedroht fühlen. Gerne würden sie den WDR vor allem bei seiner Expansion ins Internet stoppen, was ihnen mit der Einführung des hoch bürokratischen Drei-Stufen-Tests für Netzangebote zumindest teilweise gelungen ist.