Im September 1945 halfen die ersten Kriegsheimkehrer unter den Studenten bei den Räumungs- und Wiederaufbauarbeiten der Kunstakademie Düsseldorf. Anschließend wurden Decken aus Trümmerschuttbeton und Dächer aus den Platten verrosteter Blechschränke hergestellt. Die alte Aula mit Peter Janssens allegorischem Fries „Die Lebensalter“ und der gesamte Ostflügel lagen in Schutt und Asche. Die offizielle Wiedereröffnung am 31. Januar 1946 fand daher mit Erlaubnis der britischen Militärregierung in der Luisenschule statt.
Beim Festakt sprach Oberstleutnant H.J. Walker von der Erziehungsabteilung der Briten: „Wir betrachten die Kunstakademie als eine einmalige Institution. Wir haben große Hoffnungen, dass es eine Quelle der Inspiration für alle sein wird, die die Kunst in ganz Deutschland und außerhalb lieben und praktizieren. Wir werden die Fortschritte mit der größten Sympathie betrachten.“ Die Gleichschaltung und Unterdrückung individuell schöpferischer Gestaltung war damit aufgehoben.
Die Festrede hielt Robert Lehr als „Oberpräsident der Nordrheinprovinz“, denn das Land Nordrhein-Westfalen wurde erst im August 1946 gegründet. Lehr war von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister in Düsseldorf gewesen, hatte sich danach ins Privatleben zurückgezogen und Kontakt zum nationalkonservativen Widerstand gegen Hitler aufgenommen. Nach dem Krieg wurde er für kurze Zeit Landtagspräsident, Mitglied des Parlamentarischen Rats, Bundestagsabgeordneter und schließlich von 1950 bis 1953 Bundesinnenminister. Sein Appell an Professoren und Studenten: „Die Staatliche Kunstakademie muss ein lebendiger Born neuen Geistes und die Zelle einer die jungen Menschen befruchtenden Erziehung sein.“
Erster Professor und kommissarischer Direktor nach dem Krieg wurde Ewald Mataré (1887-1965), einer der größten rheinischen Bildhauer neben Wilhelm Lehmbruck und Joseph Beuys. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1957 konzentrierte er sich auf seine Aufgabe als Lehrer der Bildhauerklasse. Akademiedirektor wurde am 12. Januar 1946 Werner Heuser, er übernahm zugleich die Zeichenklasse – und richtete eine Spezialklasse für Restaurierung ein, um die großen Schäden an Bildwerken zu beheben.
Hans Schwippert (1899-1973), einst Assistent bei Erich Mendelsohn und Freund Mies van der Rohes, wurde zum Garanten des neuen Bauens. Er saß im Provinzialrat, der die vorläufige Verwaltung darstellte, nahm seit November 1945 die Leitung der Hauptabteilung Bauwesen wahr, aus der nach Gründung des Landes NRW das Wiederaufbauministerium hervorging. Zunächst Leiter der Baukunstklasse an der Kunstakademie, war er von 1959 bis 1966 ihr Direktor (Rektor).
Dass man sich schnell in der Normalität einrichtete, lässt sich ablesen an diesen Daten: Weihnachten ’46 ging die Mensa wieder in Betrieb, wenn auch noch ohne Herd. Seit dem 21. November gab es eine Studentenvertretung. Und am 17. des folgenden Februars startete der erste Fastnachtabend der Studenten im Künstlerverein Malkasten.


