Feridun Zaimoglu gehört zu denjenigen Autoren, die ihr Wissen über die Wirklichkeit nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben beziehen. In „Kanak Sprak“, 1995 erschienen, versammelte der 1964 im türkischen Bolu geborene Schriftsteller halbfiktive Interviews mit jungen türkischstämmigen Männern am Rande der Gesellschaft, die auf die Frage antworten sollten, wie es sich als „Kanake“ in Deutschland lebe. Positiv umgedeutet sollte so nicht zuletzt auch die Schmähung „Kanake“ werden. Das war Zündstoff im Deutschland der 1990er Jahre, die von Anschlägen auf Asylantenheime geprägt waren.
Mit der Jahrtausendwende erfand sich Zaimoglu, der sich selbst einmal als „Militanzskribent“ tituliert hat, gleichsam neu. Er wandelte sich zum zugleich leisen wie mutigen, sehr emotionalen Erzähler, der seitdem fast jährlich ein neues Buch vorgelegt hat. Mit den Romanen „Leyla“ und „Liebesbrand“ schaffte es der in Kiel lebende Zaimoglu auf die Nominierungslisten des Deutschen Buchpreises.
Zaimoglus neuer Roman „Ruß“ spielt in Duisburg. Um ihn schreiben zu können, hat Zaimoglu immer wieder vor Ort recherchiert und den Duisburgern ihre Geschichten abgelauscht. Erzählt wird die Geschichte von Renz, einem Arzt, der seine Frau Stella durch ein Gewaltverbrechen verloren hat. Danach hat Renz seinen Job an den Nagel gehängt und ist schon ein ganzes Stück vorangekommen auf dem Weg, seinem Leben an der Theke ein Ende zu setzen. Bis sein Schwiergvater ihn aus dem Sumpf des Selbstmitleids zieht. Seitdem betreiben die beiden Männer gemeinsam einen kleinen Kiosk, ein Ankerpunkt für die Gestrandeten des Viertels. Endgültig zurück ins Leben findet Renz, als er hört, dass der Mörder seiner Frau freikommt. Er lässt sich auf einen Deal ein: Ein alter Bekannter verspricht ihm, die Tat zu rächen, wenn Renz sich dafür um dessen zwielichten Halbbruder Josef in Warschau kümmert.
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