100 x Paul Klee im K21
29.09.12 bis 21.04.13

Es war wohl nicht die Leidenschaft allein. Wahrscheinlich spielten auch politische Überlegungen mit, als Düsseldorf  sich 1960 zum spektakulären Großeinkauf entschloss und 88 Werke von Paul Klee aus einer amerikanischen Privatsammlung erwarb.

Damit holte die Stadt jenen großen Künstler zurück: Klee, der 1933 mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten die Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie verloren hatte. Der in die Schweiz emigriert war. Dessen Werke als „entartet“ diffamiert worden waren. Nach Diktatur und Krieg bedeutete dieser Ankauf nicht zuletzt eine Geste des Neuanfangs – in mancher Hinsicht. So gab er damals auch den Anstoß für die Gründung der landeseigenen Kunstsammlung.

Erstmals ist dieser Schatz – ergänzt durch einige späterer Ankäufe – nun geschlossen in der Düsseldorfer Kunstsammlung K21 zu sehen. Die Ausstellung „100 x Paul Klee“ zeigt Kostproben fast aller Techniken, die der experimentierfreudige Künstler erprobt hat. Und sie durchquert fast sein ganzes Schaffen. 

Mit Pinsel, Feder, Tusche, Aquarell auf Karton oder hinter Glas sieht man den jungen Klee austesten, was technisch möglich ist. „Josefs Keuschheit erregt den Unmut der trüben Regionen“ nennt er eine ironische Zeichnung von 1913 – die Hauptperson, ein Strichmännchen, scheint umzingelt von den eigenen Trieben. Klee bewegte sich in jenen Jahren unter den Blauen Reitern. Mit Macke und Marc, die er dort trifft, wird der Künstler bald darauf zur legendären Tunisreise aufbrechen, die im geometrischen Farbgeflecht seiner 1914 gemalten „Roten und weißen Kuppeln“ einen unmittelbaren Reflex findet.

Um 1919 beginnt Klee auch in Öl zu malen, dafür stehen in der Schau präzise komponierte Gemälde, zum Beispiel der kubistisch anmutende „Kopf mit deutscher Barttracht“ oder das „Kamel (in rhythm. Baumlandschaft)“, wo runde Baumkronen wie Noten im gestreiften Gelände hängen. Klees Episode als Lehrer am Bauhaus zeigt dann einen Widerhall im von Analyse, Konstruktion, Geometrie bestimmten Schaffen der 20er Jahre.

Von 1935 stammt ein viel sagendes Porträt. Klee zeigt den Kopf als Kreis, den Mund als Strich. Kleine Augen, die verängstigt ins Leere starren. Er meinte sich selbst. Jenes symbolische Selbstbildnis in dunklen Rot- und Brauntönen – von Formen und Linien bedrängt und durchkreuzt – spiegelt das eigene Schicksal. In der Schweiz erlebt der Künstler während der späteren 30er einen wahren Schaffensrausch. Damals bereits unheilbar krank, zeichnet er einfache, lineare Gebilde, kindlich erfasste Figuren, spontan hingeworfene Gesichter. Das Trauma von Krankheit und Tod scheint in diesen Bildern auf. Zu erahnen ist es etwa auf dem Boulevard, der bevölkert ist von Missgestalten. Oder auf dem Parkett, wo die Tänzerin mit dem Teufel ihre Kreise zieht.

Der Düsseldorfer Rundgang führt bis ins letzte Schaffensjahr. Aber das ist noch nicht alles. Denn die Kunstsammlung nimmt diesen ersten umfassenden Auftritt der beachtlichen Klee-Kollektion zum Anlass, Fragen anzuschneiden, die weit über den reinen Überblick hinausreichen. So schaut sie nicht nur auf die Vorder-, sondern auch auf die Rückseiten einzelner Gemälde und entdeckt dabei, dass Klee sehr bewusst mit seinen Materialien umging, genau wusste, welche Effekte sich damit erzielen ließen. Ein weiteres Thema sind die vom Künstler mit Bedacht gewählten Rahmen – offenbar verstand er Bild und Rahmen als Einheit, das Gemälde oder die Zeichnung als Objekt.

Außerdem machen Ausstellung und Katalog bekannt mit jenen Galeristen, die einst mit den Düsseldorfer Bildern Handel getrieben haben. Und sie stellen den US-Industriellen G. David Thompson vor, der das Konvolut bis zum Ende der 50er Jahre zusammengetragen hatte. Um sich wenig später bereits wieder davon zu trennen. Zur Freude der Kunstsammlung NRW, deren Geschichte damit erst begann.

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