„Moon“ von Duncan Jones

Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ kam 1968 heraus, 1972 folgte „Silent Running“ von Douglas Trumbull, somit im selben Jahr wie Tarkowskis /Lems Klassiker „Solaris“: Wegmarken des Science-Fiction-Genres, wobei der philosophische, ästhetische, emotionale und technische Standard, den Kubrick gesetzt hat, unübertroffen blieb, auch wenn und gerade weil spätere Expeditionen mit riesigem Equipment und Arsenalen an special effects ins All aufbrachen. Duncan Jones aber richtet „Moon“ deutlich an den frühen Vorbildern aus, die bis in die achtziger Jahre mit  Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“) reichen.

Eine Raumstation: Auf dem Mond wird Helium-3 als Energielieferant für die Erde gewonnen. Das Monopol der Brennstoff-Versorgung hält  Lunas Industries. Das Unternehmen entsendet jeweils für drei Jahre einen Astro-Mechaniker, der den Abbau überwacht und als einzigen Kommunikationspartner und Helfer den Computer Gerty hat – das weibliche Pendant zu HAL bei Kubrick, wenngleich weniger gerissen und omnipotent. Sam Bell steht kurz vor der Wachablösung, da geschieht ein Unfall, in dessen Folge er sich plötzlich mit einem Doppelgänger konfrontiert sieht. Wer ist der echte Sam Bell – wer ein Klon von der Reservebank?

Sam Rockwell in der Rolle von Sam Bell scheint so besetzt, dass er an die Weltraummänner Keir Dullea („2001“) und Bruce Dern („Silent Running“) erinnert. Wie auch das Set-Design mit den weißen wabenartigen Kunststoff-Kapseln und klaustrophobischen Abdichtungen die um 1970 herum entworfene Zukunfts-Architektur wiederholt. Auch thematisch begibt sich der raffiniert zwischen Eigenständigkeit und  Zitat schwebende „Moon“ in die Umlaufbahn seiner Vorgänger: dass Technik im Gegensatz zum Humanen steht, die Dialektik der Evolution greift und der Mensch des Menschen größter Feind ist. In der Ausdehnung von Zeit zur reinen Form und der Stille des Raums vollzieht sich die Ich-Krise des Sam Bell, mündend in der tragischen Erkenntnis von der Einsamkeit des Replikanten und – weit darüber hinaus – von der Gebrechlichkeit des Individuums.

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Wim Wenders' Film für und über „Pina” Bausch

„Pina“, die Dokumentation in 3D mit dem Untertitel „tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“, wurde auf der Berlinale uraufgeführt. Regisseur Wim Wenders hatte seinen Film ursprünglich mit Pina Bausch als Hauptdarstellerin machen wollen.

"The King's Speech" von Tom Hooper

Tom Hoopers „The Kings’s Speech“ gewährt Einblick ins Innerste der Windsors - zu schwerer Stunde im Krieg gegen Hitler. "Bertie", Herzog von York, wird König, George VI., nachdem sein Bruder abdanken musste. Aber der neue King hat ein Handicap - er stottert. Das gilt es zu bewältigen, mit Hilfe des Sprachtherapeuten Logue.

"The Tree" von Julie Bertuccelli

Zwischen geklärter Wirklichkeits-Beobachtung und poetischer Überhöhung gelingt Julie Bertuccelli in ihrer Romanverfilmung „The Tree“ eine schwerelose Balance. Vor allem ihr Feingespür für die kindliche Psyche ist bemerkenswert. Und die Ansicht der glühenden australischen Landschaft.

Türkisch-deutsche Beziehungen in „Almanya“

Yasemin Samdereli erzählt in ihrer Komödie vom Schicksal der ersten Gastarbeiter in "Almanya", dem Land der Ungläubigen, dem Land der Kartoffel. Sie konfrontiert drei Generationen türkischer Deutscher mit den seltsamen Gebräuchen und Gewohnheiten der Ureinwohner.

„Nader und Simin“ von Asghar Farhadi

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi wurde in Berlin mit dem Goldenen Bären für „Nader und Simin“ ausgezeichnet. Außerdem erhielt das weibliche und männliche Schauspieler-Ensemble dieses intensiven Ehedramas und Gesellschaftsporträts für seine Leistung auch den Silbernen Bären.

„Midnight in Paris“ von Woody Allen

Beinahe könnte man um das originelle Regie-Auge von Woody Allen fürchten, wenn es am Anfang von „Midnight in Paris“ Moulin Rouge, Louvre, Arc de Triomphe, Eiffelturm, Notre Dame und so weiter aus der Standardperspektive knipst. Aber es spiegelt nur ironisch die Naivität der Touristen und Kultur-Amateure. Owen Wilson in blonder Arglosigkeit gar nicht das Alter Ego Allens spielt den Drehbuchautor Gil, der eine Zeitreise zurück in die Zwanziger erlebt.

„Margin Call – Der große Crash“ von J.C. Chandor

Wall Street, 2008. Das Bürogebäude einer Investment-Agentur, die auf dem Immobilienmarkt spekuliert und Werte in Umlauf bringt, die nicht real sind. "Margin Call“ von J.C. Chandor verdichtet den großen Crash, die globale Finanzkrise, zum analytischen Kammerspiel.

„Nur für Personal“ von Philippe Le Guay

Hier hilft der Originaltitel weiter. Übersetzt heißt er: "Die Frauen aus der sechsten Etage" und meint auch die Klassenverhältnisse, die in Frankreich noch ausgeprägter sind als hierzulande. Pariser Großbourgeoisie im Jahr 1960 in einem eleganten Stadthaus. Unterm Dach hausen bohèmehaft arm, aber heiter die spanischen Dienstboten. Das Franco-Regime hat sie ins Nachbarland getrieben.

„The Oil Show“ im HMKV

Seit einiger Zeit steht da dieses Bauschild vor dem Dortmunder „U“. Bis Februar 2012 soll dort, laut Schild, ein Öl-Förderturm entstehen. Ein Konsortium internationaler Bohrfirmen sei bei Probebohrungen auf unterirdische Ölvorkommen gestoßen – dieses sogenannte unkonventionelle Erdöl befindet sich in einer Tiefe von 2500 Metern direkt unter dem „U“; vermutete Fördermenge: 0,8 Millionen Tonnen.

Andreas Dresens Sterbeprotokoll „Halt auf freier Strecke“

Frank (Milan Peschel) erhält die Diagnose Gehirntumor. Er hat nur noch ein paar Monate Lebensfrist. Wie geht man damit um? Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ ist ein dokumentarisch präzises Protokoll, in seiner Eindringlichkeit und schmerzenden Offenheit kaum erträglich.

Rezas und Polanskis „Gott des Gemetzels“

Yasmina Rezas Bühnenstück "Der Gott des Gemetzels", verfilmt von Roman Polanski, ist eine Zimmerschlacht zwischen zwei Ehepaaren. Einem Jungen wurde der Zahn ausgeschlagen, von einem Klassenkameraden. Weshalb bei den Eltern des Opfers und des Täters Krisenmanagement erforderlich wird. Es beginnt ein Treffen zur Schadensregulierung.

Brontes „Jane Eyre“ von Cary Joji Fukunaga

Wer hätte vermutet, dass der Kalifornier Cary Joji Fukunaga nach seinem Debüt, dem eindringlichen mexikanischen Flüchtlingsdrama „Sin Nombe“, einen Kostümfilm drehen würde. Aber er kann auch das.

„The Help“ von Tate Taylor

Tate Taylor hat mit dem Dienstmädchenreport farbiger Hausangestellter in den 1960-er Jahren im Süden der USA den Bestseller „Gute Geister“ von Kathryn Stockett adaptiert. Ein Roman wie „Onkel Toms Hütte“ unter zivilisierteren, weniger physisch grausamen, aber doch inhumanen Bedingungen.

„Habemus Papam“ von Nanni Moretti

Mit Dokumentaraufnahmen aus dem Vatikan beginnt Nanni Morettis Film, um dann in eine fromme Farce, pietätvolle Satire und gottvolle Groteske über die Wahl des nächsten Heiligen Vaters zu kippen. Nachdem das „Habemus Papam“ verkündet wurde, hört man einen inbrünstigen Schrei: Der designierte Nachfolger Christi, Kardinal Melville, flüchtet vor dem Amt.

„Tage des Verrats“ von und mit George Clooney

„Tage des Verrats“ heißt im Original „The Ides of March“ und bezieht sich auf den römischen Kalender des Jahres 44 vor Christus: Damals wurde Gaius Julius Caesar ermordet. George Clooneys eleganter, die Spannung konzentriert steigernder Film erzählt von einem US-Senator und seinem Medienberater im Vorwahlkampf um das Weiße Haus.

„In guten Händen“ von Tanya Wexler

Bewegung und frische Luft: Das war das viktorianische Allheilmittel, wenn sonst nichts zu finden und die Diagnose unspezifisch war. Aber in Tanya Wexlers Komödie "In guten Händen" bedarf es anderer Hilfsmittel, um der Prüderie mit Aufklärung und Frauenleiden mit praktischen Maßnahmen zu begegnen.

„Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín

Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín konstruiert in "Und dann der Regen" ein intelligentes Vexierbild, in dem das Drama eines Kontinents – Südamerika – sichtbar wird und alles eine Doppelbedeutung annimmt. Gedreht wird ein historischer Film über den Eroberer Kolumbus – und wieder findet Ausbeutung der Indios statt.

„Ziemlich beste Freunde“ von Nackache und Toledano

15 Millionen Franzosen haben diesen Film gesehen und mehr und besser gelacht, als wenn sie sich über die Provinzler aus Nord-Pas-de-Calais amüsieren. Die Geschichte von "Ziemlich beste Freunde" ist simpel, aber wirksam. Und beruht auf einem Schwarzweiß-Schema: Arm trifft Reich, Gesund trifft Krank.

„Verblendung“ von David Fincher

David Fincher hat Stieg Larssons Roman „Verblendung“, Teil Eins der Trilogie der Millennium-Thriller, neu verfilmt. Hauptfiguren sind der investigative Journalist Blomkvist (Daniel Craig) und das Punk-Girl Lisbeth Salander (Rooney Mara).

Sokurows „Faust“

Mit seinem auf Deutsch gedrehten „Faust“ beendet der 1951 geborene Alexander Sokurow eine Tetralogie, die zuvor Hitler, Lenin und Japans Kaiser Hirohito als historische Hasardeure porträtiert hat. Die Totalitarismus-Galerie beschließt er mit Goethes mythischer Dramen- Figur. Augenfällig wird die Absicht des Russen, den expressionistischen Stummfilm auferstehen zu lassen.

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