„Mehr Licht!“ – das sollen Goethes letzte Worte auf dem Sterbebett gewesen sein, aber Genaues weiß man nicht. Andere Stimmen meinen, dass Goethe wohl eher „Mehr nicht!“ gerufen habe, und einige wenige sind sich sicher, dass der Frankfurter im hessischen Dialekt „Mer liescht hier so schlecht!“ geäußert habe. Aber das titelgebende Licht dieses Literaturfestivals der Ruhr.2010 und dem Literaturbüro Ruhr bezieht sich auch weniger auf sterbende Nationalheilige als auf das Licht des gestirnten Himmels der Aufklärung.
„Man spricht viel von Aufklärung und wünscht mehr Licht. Mein Gott, was hilft aber alles Licht, wenn die Leute entweder keine Augen haben, oder die, die sie haben, vorsätzlich verschließen“, schrieb Georg Christoph Lichtenberg in seinen Sudelbüchern. Deswegen sollte man bei „Mehr Licht“ nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren aufsperren, denn bei den Lesungen und Gesprächen soll nichts weniger als „die europäische Aufklärung weiter gedacht“ werden.
Den Auftakt macht eine „Kampfabsage“: Ilija Trojanow und Ranjit Hoskoté sprechen mit Hubert Winkels über das Thema „Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen“ (15.09./20 Uhr/Museum Bochum). Gerd Scobels Thema ist die „Weisheit. Über das, was uns fehlt“ (17.09./20 Uhr/Neue Galerie Gladbeck), während der Satiriker Wiglaf Droste zusammen mit Danny Dziuk Werke von Georg Christoph Lichtenberg liest und singt(!): „Vom Wahrsagen lässt sich’s wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen“. Droste über die Aktualität des titelgebenden Lichtenberg-Aphorismus: „...ich habe ja Vergnügen an Vernunft und halte beides, Vernunft wie Vergnügen, nicht notwendigerweise für Gegensätze. Während das meiste von dem, was ich in der Zeitung lese, mir tatsächlich erscheint wie aus dem Kaffeesatz gepopelt – radikal ahnungslos, aber dafür mit frecher Blender-Attitüde samt entsprechender Glattlackvisage präsentiert.“ (23.09./20 Uhr/Stadtbücherei Gladbeck, und 24.09./20 Uhr/Stadtmuseum Hattingen-Blankenstein)
Roger Willemsen erzählt in Recklinghausen von den „Enden der Welt“ (28.9./20 Uhr, Ruhrfestspielhaus) und auf der Zeche Carl in Essen improvisieren Thomas Kapielski und Eckhard Koltermann den Abend „Kapielski und Koltermann klären auf.“ (29.09./20 Uhr)
Karen Duve und die philosophische Ein-Mann-Boyband Richard David Precht diskutieren mit dem Literaturkritiker Denis Scheck über Tierethik und Tierrechte (30.09./20 Uhr/Stadtbibliothek Duisburg); und der Lieblingsfeind der Evangelikalen, Richard Dawkins hält in Mülheim a.d. Ruhr einen Vortrag zur Evolutionstheorie: „Die Schöpfungslüge. Warum Darwin recht hat.“ (21.10./20 Uhr/Ringlokschuppen)
Weitere Namen im Programm sind u.a. Günter Grass, Vincent Klink, Robert Menasse, Raoul Schrott.
Das vollständige Programm des Festivals „Mehr Licht!“ findet sich hier.
Ticket-Hotline: 01805/ 15 20 10
www.ruhr2010.de/tickets