So wie Raquel (Catalina Saavedra) am Küchentisch sitzt, missmutig in ihrem Essen stochert und mit finsterer Miene auf den Stimmen-Chor aus dem Esszimmer lauscht, könnte sie eine Figur aus einem Roman von Georges Simenon oder Patricia Highsmith sein. Es scheint etwas in den Tiefen der 41-jährigen Haushälterin zu rumoren, dass, wenn es erwacht, einen fürchten lassen könnte – um sie selbst und um diejenigen, die sie umsorgt.
Seit 20 Jahren hält sie das großzügige Haus von Don Mundo, Senora Pilar und ihren vier Kindern in Ordnung: macht die Bande schulfertig, kocht, putzt, wäscht, bügelt. Sie führt das Regime, straft und belohnt, kann zärtlich sein mit ihrem Liebling Lucas, ruppig zu dessen Schwester Camila, tyrannisch und wetterwendisch.
Ihre bohrenden Kopfschmerzen, die Raquel eines Tages zusammenbrechen und ernstlich erkranken lassen, scheinen ebenso mit ihrer psychischen Verfassung zu tun zu haben wie ihr neurotischer Reinigungswahn. Eingesperrt in ihrem Zwangssystem, bezieht sie Glücksgefühl und Bestätigung einzig aus der Familie ihres Arbeitgebers. Und wird doch permanent enttäuscht, sei es zum Geburtstag, womit der vielfach und besonders für seine Hauptdarstellerin international ausgezeichnete chilenische Film „La Nana“ einsetzt. Sei es, dass zu ihrer Entlastung neue Hausmädchen eingestellt werden, derer Zwei sie regelrecht weg beißt: bis Lucy auftaucht. Die kümmert sich um die eifersüchtige Biestigkeit nicht weiter, schafft es vielmehr, Raquel emotional zu umarmen und zur Freundin zu machen.
Das bohrend Unheimliche, das in Sebastian Silvas Film mit dem heiter Unbeschwerten abwechselt, sorgt gewissermaßen für eine ganz entspannte Spannung. Man könnte denken, Raquel würde Amok laufen, aber am Ende geht sie nur joggen. Sie ist sozialverträglich geworden. Sie hat sich angenommen. Das Kopfweh ist auch weg.