Wer mit Medienkunst noch immer verrauschte Videos in düsteren Museums-Ecken verbindet, sollte sich auf den Veranstaltungen der „ISEA2010“ umschauen. Die Medienkunst hat längst ihr Ghetto verlassen und ist zu einem interdisziplinären Kunst-Genre geworden. Kunstausstellungen, Konzerte, Konferenzen, Performances – das alles findet man bei den Veranstaltungen der „ISEA2010“, dem „16th International Symposium on Electronic Art“, welches zu den wichtigsten internationalen Festivals für elektronische Kunst gehört. Und weil gerade Kulturhauptstadt ist, findet die „ISEA2010“ in diesem Jahr erstmals im Ruhrgebiet statt; genauer in den Städten Dortmund, Essen und Duisburg. Das Festival präsentiert die neusten Entwicklungen, Trends und Tendenzen in der internationalen Medienkunst und der digitalen Kultur. Internationale KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen treffen auf die regionale Szene.
Im Dortmunder „U“ finden gleich drei Ausstellungen zum Thema statt. In Zusammenarbeit mit dem Hartware MedienKunstverein (HMKV) untersucht „Trust“ das „intuitive Vertrauen, mit dem wir Maschinen und Medien begegnen“. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Eine Frage, die schon in den technologieschäumenden „Matrix“-Filmen gestellt wurde, und aufgrund der fortschreitenden Technologien und Manipulationsmöglichkeiten immer schwieriger zu beantworten ist. Welchen Nachrichtenbildern kann man trauen? Und welchen Maschinen? (31. Juli – 5. September)
Die „ISEA2010 Ruhr Ausstellung“ ist indes thematisch breiter aufgestellt und zeigt hervorragende Werke der Medienkunst, die sich mit Technologie, Wissenschaft und gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart auseinandersetzen. Die Arbeiten reichen von neuen, innovativen Bildtechnologien bis hin zur Robotik (20. August – 5. September). Die „E-Culture Fair“ setzt sich mit innovativ-künstlerischen Anwendungen neuer Technologien auseinander. Zudem führt das Messe-artige Konzept Kultur, Forschung und Kreativwirtschaft zusammen (23. – 25. August).
Man kann Medienkunst aber auch tanzen. Zu erleben ist das im PACT Zollverein in Essen (20. – 22. August); dann stehen zeitgenössischer Tanz, Performances, Workshops und Choreografien im Mittelpunkt. Norah Zuniga Shaw und ihr Team präsentieren ihr Projekt „Synchronous Objects“; Scott deLahuntas Ideenwerkstatt bietet Raum für Austausch und Diskussion. William Forsythes Choreografie „One Flat Thing“ wird ebenso zu erleben sein wie Xavier Le Roys „Le Sacre du printemps“.
In Dortmund finden vom 23. - 27. August die „ISEA“-Konferenzen statt; am 22. August wird im Marler Skulpturenmuseum Glaskasten der Deutsche Klangkunst-Preis verliehen.
Freunden sympathisch verfrickelter Musik zwischen Elektronika und Jazz seien die Konzerte von Fennesz, Hildur Guðnadóttir, Éliane Radigue , Keiichiro Shibuya, u.a. empfohlen, die an den Abenden vom 24. – 27. August im Konzerthaus Dortmund für elektronische Nächte sorgen werden. Danach geht es mit ausgewähltem Musikprogramm in Dortmunder Clubs weiter.
Als Abschluss des Festivals geht die Medienkunst vom Museum auf die Straße. „Public Art“ zeigt Kunst und Installationen zum Thema „Klang und Lichtökologie im urbanen Raum“ im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum und im öffentlichen Raum der Stadt (28. - 29. August).
Das vollständige Programm und weitere Informationen zur „ISEA2010“ finden sich hier.