Richard Linklater ist ein Regisseur des Erwachsenwerdens, der Rückbesinnung auf das, was einmal war. Inhaltlich führt das nicht selten zu einer romantischen, fast naiven Haltung – zum Beispiel in „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ mit Ethan Hawke und Juie Delpy. Formal aber wird der konventionelle Gestus durch eine innovative, spielerische, raffinierte Erzählsprache gebrochen.
Da wäre Linklater dann mit Orson Welles auf einer Linie. Dem legendären Weltstar, dem Genie Amerikas (1915 bis 1985) gilt sein Interesse in der biografischen (Real-)Fantasie „Ich & Orson Welles“, die sich mit dem Ausnahmekünstler am Beginn seiner Karriere beschäftigt: also bevor Welles ganz Amerika mit seinem Hörspiel über den „Krieg der Welten“ und die Landung von Marsmenschen bis ins Mark erschütterte. Und bevor er 1941 mit „Citizen Kane“ auf einen Schlag zu einem der besten, kreativsten und visionärsten Filmemacher überhaupt – bis heute – aufstieg.
Linklater dreht die Uhr zurück ins Jahr 1937, als der noch weithin unbekannte, aber sich selbst bereits famos findende Welles am Broadway im Mercury Theater Shakespeares „Julius Caesar“ probt. Die Aufführung wird ebenfalls Maßstäbe setzen. Auf der Straße vor dem Theater läuft ihm der Schüler und sich in den Schauspielerberuf träumende Richard (Zac Efron) in die Arme. Der gerade über irgend einen Dilettantismus erregte Welles engagiert den hübschen aufgeweckten Burschen als Statisten.
So verfolgt Linklater eine doppelte Optik: einerseits die Entwicklung des jugendlichen Helden zu begleiten, Verliebtheit und großäugige Faszination für den Duft der Frauen und der Bühne, zum anderen den Prozess künstlerischer Entfaltung zu beobachten am Modell des brillanten, eleganten, originellen, ehrgeizigen, eitlen, großherzigen FlimFlamMan, der The Bad and the Beautiful in einer Person verkörpert – und den Christian McKay hier grandios verkörpert.
Zudem gelingt es Linklater wunderbar, Klima, Atmosphäre und Sound der Dreißiger einzufangen, wie man es sonst nur aus Woody Allens nostalgischen Komödien kennt.