Christo und Jeanne-Claude in Brühl

Echte Überwältigungskünstler. Mit ihren effektvollen Großprojekten haben Jeanne-Claude und Christo wahrscheinlich mehr Menschen rund um die Welt beeindruckt als irgendein anderer Kollege. Nach Jeanne-Claudes unerwartetem Tod letzten Herbst zieht das Max-Ernst-Museum jetzt Bilanz. Es lässt die wichtigsten Aktionen aus den Jahrzehnten unzertrennlicher Gemeinsamkeit Revue passieren und holt dazu über 70 Werke aus der baden-württembergischen Sammlung Würth nach Brühl - Collagen, Zeichnungen, Skizzen, Objekte, Modelle.

Mit pinkfarbenen Polypropylenbahnen umsäumte das Künstlerpaar einst elf kleine Inseln vor Miami. In Kalifornien und Japan stellten die  beiden 3000 blaue und gelbe Sonnenschirme auf, die sich genau zur gleichen Zeit öffneten. Den New Yorker Central Park durchzogen sie mit safrangelb behängten Toren.

Die Liste groß angelegter Überraschungsmanöver ist noch viel länger. Und in der Regel gingen ihrer Realisierung oft jahrelange Pläne, Kämpfe, Kontroversen und organisatorische Meisterleistungen voraus.

Den besten Beleg für die geduldige Überzeugungskunst des Duos liefert wohl noch immer die spektakuläre Verhüllung des Berliner Reichstags: 23 Jahre lang haben Christo und Jeanne-Claude beharrlich ihren Plan beworben. Bis sie 1995 endlich ans Einpacken gehen konnten. Fünf Millionen schauten ihnen dabei zu.

Die Brühler Ausstellung stellt das maßstabgetreue Modell des eingehüllten und verschnürten Baus nun ins Zentrum, hängt drum herum Entwürfe und Zeichnungen. Allerdings erzählt sie dabei kaum etwas vom vorausgegangenen Ringen mit den Instanzen. Eine Aufgabe, die lange Jeanne-Claude zugeschrieben wurde. Während man Christo stärker für den schönkünstlerischen Part verantwortlich sah. Eine Sichtweise, der das Paar heftig widersprach.

Sie machten alles gemeinsam, so betonten die Künstler bei mehreren Gelegenheiten. Wie auch immer - das Rezept funktionierte über vier Jahrzehnte. Jetzt will Christo allein weitermachen. Er muss: Die beiden hatten sich schon vor Jahren das Versprechen gegeben, nach dem Tod des einen die Arbeit solo zu Ende zu bringen.

Es sind zwei Projekte, die Christo aktuell auf dem Tisch liegen hat: Das eine, „The Mastaba“, scheint noch in weiter Ferne. Das Riesenbauwerk aus Ölfässern soll in den Arabischen Emirate errichtet werden und mit seiner Größe die Pyramide von Gizeh noch überbieten. Weiter fortgeschritten und in der Ausstellung durch Collagen vertreten ist das Vorhaben in Colorado. Unter dem Titel „Over The River“ will der Künstler dort auf einer Strecke von über 60 Kilometern den Arkansas River mit Stoffbahnen überspannen.

Alles erläutert Christo in Brühl persönlich in einer „Lecture“ am 15. Juni. Er will dann über sein inniges Teamwork mit Jeanne-Claude berichten. Und vor allem über die beiden laufenden Vorhaben, die ihm nach dem Tod seiner Frau geblieben sind.


Anmeldung zur „Lecture“ am 15. Juni um 18.30 Uhr unter Tel. 02234/9921555

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