„2 – 3 Straßen Text“ im Museum Folkwang
08.06.11 20:00

Ein Jahr, 3.000 Seiten, keine Absätze – das kommt am Ende dabei heraus, wenn 78 Menschen zwölf Monate lang mietfrei in Straßen in Dortmund, Duisburg und Mülheim wohnen und dafür schreiben müssen. So lautete, grob skizziert, die Verabredung, die Jochen Gerz 2009 mit den Teilnehmern seines im Dezember zu Ende gegangenen Kulturhauptstadtprojektes „2 – 3 Straßen“ getroffen hatte. Als unsichtbare Baumaßnahme an der sozialen Architektur der Viertel war das gedacht. Welche Funktion das gemeinsame Buch dabei haben könnte, schien vielen Betrachtern der „Ausstellung“ – so nannte Gerz die „2 – 3 Straßen“ – nicht klar. Jetzt also liegt der „2 – 3 Straßen TEXT“ vor, und mitgeschrieben haben nicht nur die neuen Mieter, sondern 887 Autoren, Anwohner wie Besucher der Straßen. Entstanden ist ein faszinierendes Buch, eine anonym mehrstimmig rauschende Jahreschronik zwischen verschwitzter Nabelschau, überraschenden Einsichten, wachen Beschreibungen und alltagspraktischen Notaten. Und das Protokoll eines beispiellosen Versuches, das Gerede von der Kreativgesellschaft beim Wort zu nehmen – nicht als Wirtschaftsfaktor, sondern als Lebensform. Denn Jochen Gerz wollte mit den „2 – 3 Straßen“ ja nicht zuletzt den sozialpolitisch vereinnahmten Begriff der Teilhabe in ästhetische Praxis übersetzen; und dabei auch die Frage verhandeln, was die Kunst von der Gesellschaft und die Gesellschaft von der Kunst erwarten darf.

Im Rahmen der Reihe „Literatur im Folkwang“ werden Jochen Gerz und einige der teilgenommenen Autoren das Mammutwerk „2 – 3 Straßen Text“ im Hirschlandsaal des Museums vorstellen. Eine Veranstaltung der Buchhandlung Proust und dem Literaturmagazin „Schreibheft“.

empfehlungen der redaktion
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Helge Schneider

Man traute seinen Augen kaum: Die „singende Herrentorte“ in der Reichskanzlei! Als er 2007 in Dani Levys Film-Farce „Mein Führer“ ebenjenen verkörpert, löst Helge Schneider das aus, was er immer auslöst: Irritation. Kann er das? Er kann.

Die „Druckstellen“-Lesetour im Dortmunder U

„Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht“ – diese Zeilen aus einem Text der Rapper „RAG“ (Ruhrpott AG) waren das Thema des 2. Ruhrgebietsliteraturwettbewerbs. Die Resonanz war groß, 165 Texte wurden eingeschickt, und das nicht nur aus dem Ruhrgebiet selbst, sondern auch aus Wien, Hamburg, Berlin Leipzig und Neukirchen-Vluyn.

Die „Druckstellen“-Lesetour im Gasometer

„Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht“ – diese Zeilen aus einem Text der Rapper „RAG“ (Ruhrpott AG) waren das Thema des 2. Ruhrgebietsliteraturwettbewerbs. Die Resonanz war groß, 165 Texte wurden eingeschickt, und das nicht nur aus dem Ruhrgebiet selbst, sondern auch aus Wien, Hamburg, Berlin Leipzig und Neukirchen-Vluyn.

Frank Schulz im Erholungshaus

Onno Viets hat es nicht leicht, aber eine gute Idee. Zum ersten Mal in seinem Leben. Onno ist Mitte 50, Hartz-IV-Empfänger, Noppensockenträger und ungeschlagener König einer Hamburg-Eppendorfschen Pingpong-Runde und bekennender Nicht-Schwitzer. Er ist so gut wie pleite, hat das Finanzamt im Nacken, den Geburtstag seiner Frau

Walter Moers

Käpt’n Blaubär, "Das kleine Arschloch", Hein Blöd, "Der Fönig", Hildegunst von Mythenmetz oder Adolf, die Nazi-Sau – mit dem Namen Walter Moers verbinden sich viele Gesichter, nur nicht sein eigenes. Der Schriftsteller und Comic-Zeichner lebt und arbeitet zurückgezogen in Hamburg; Pressefotos oder öffentliche Auftritte in Talkshows gibt es nicht. Im Internet kursieren zwei Fotos

PACT Zollverein, Essen

Anfang der 1990er Jahre entdeckten junge Choreografen die ehemalige Waschkaue der 1986 stillgelegten Zeche Zollverein in Essen für sich als Aufführungsort. Seit dem Umbau Ende der 1990er Jahre zum „Choreografischen Zentrum NRW" verfügt das Haus über zwei Bühnen und drei Studios.

Dauerausstellung des Ruhr Museums in Essen

Das Ruhr Museum ist ohne Vergleich. Denn es müssten sich schon Naturhistorisches und Archäologisches Museum, Historisches Museum, Architekturmuseum und vielleicht auch Heimatmuseum zusammenfinden. Es ist ein "Hybrid-Museum" ...

Ruhr Museum, Essen

Das Ruhr Museum zeigt mit über 6.000 Exponaten die Geschichte des Ruhrgebiets im Gebäude der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein. In dem komplexen Übertagegebäude auf Schacht XII folgt der Besucher dem Weg der Kohle und steigt in die Geschichte hinab. Die ehemalige Kohlenwäsche wurde vom Architekten Rem Koolhaas umgebaut und ist über eine orangefarbene Rolltreppe erreichbar.

Frank Goosen im Barmer Bahnhof

Sein letztes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung, hieß „Radio Heimat“ – und auch in seinem neuen Roman bleibt Frank Goosen auf dieser Frequenz. In „Sommerfest“ kehrt einer zurück; einer, der vor zehn Jahren seine Vergangenheit und Bochum hinter sich gelassen hat, und nach München gegangen ist, wegen seines Berufes als Schauspieler und um möglichst viel Abstand

Ralf Rothmann

Der erste Satz ist ja bekanntlich immer am schwersten. Zumindest für Schriftsteller. Ralf Rothmann ist einer der großen Meister des Beginnens. „An dem Tag, an dem mir auffiel, dass es nichts Zufälliges mehr gibt, war die Jugend vorüber.“ So groß, wehmütig und vielversprechend setzte 1991 „Stier“ an, sein erster Roman.

Harry Rowohlt im Kulturzentrum Klosterkirche

Er trägt das Gesichtshaar lang, ist Autor, Übersetzer, Rezitator und Deutschlands Konsens-Obdachloser in der Lindenstraße. Harry Rowohlt hat über 100 Bücher ins Deutsche übertragen, darunter Frank Mc-Courts’ „Die Asche meiner Mutter“

Fritz Eckenga im Spiegelzelt am Dortmunder "U"

Der Mann war Bademeister („Nich’ mittat Eis am Beckenrand! Machse dat zuhause auch!?“), Baumarktleiter, Moderator der „Pop-Ecke“ und einer von zwei betrunkenen, pöbelnden Vertretern an der Hotelbar, die sich nach den gröbsten Beleidigungen wieder konsequent versöhnten: „Nehm wa noch ein? Ja sicha!“. Fritz Eckenga gehörte damit lange zum Musik-Comedy-Ensemble des „Rocktheater N8schicht“;

Grillo-Theater, Essen

Das Theater ist nach dem Industriellen Friedrich Grillo benannt, der die Errichtung des Hauses ermöglicht hat. 1892 eröffnet, ist es eine der ältesten Bühnen im Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde das Gebäude mit einer neoklassizistischen Front-Fassade wiederaufgebaut und 1950 neu eröffnet.

Fritz Eckenga in den Flottmannhallen

Der Mann war Bademeister („Nich’ mittat Eis am Beckenrand! Machse dat zuhause auch!?“), Baumarktleiter, Moderator der „Pop-Ecke“ und einer von zwei betrunkenen, pöbelnden Vertretern an der Hotelbar, die sich nach den gröbsten Beleidigungen wieder konsequent versöhnten: „Nehm wa noch ein? Ja sicha!“. Fritz Eckenga gehörte damit lange zum Musik-Comedy-Ensemble des „Rocktheater N8schicht“;

2002 – Ein neues Festival im Ruhrgebiet: Die Ruhrtriennale

„Die Landschaft der Industrie ist das aufgeschlagene Buch der menschlichen Psychologie.“ Diese Feststellung von Karl Marx könnte man auch auf die kontroversen Diskussionen beziehen, ob und wie die Relikte des Industriezeitalters zu verwalten, gestalten und nutzen sind.

Markus Orths im Bürgerhaus Alte Johanneskirche

Früher war mehr Glamour. Im Nibelungenlied musste Siegfried die Tarnkappe noch hochdramatisch dem Zwerg Alberich entreißen, um an den Nibelungenschatz zu gelangen; Simon Bloch findet sie dagegen in einer Alditüte in der hintersten Ecke seines Kleiderschrankes. Überhaupt ist Blochs Existenz eher unspektakulär, er hat sich eingerichtet in einem überschaubaren Leben.

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Dreimann Buchhandlung

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

1999 - Finale der IBA Emscher Park

Es war ein historischer Tag für das Ruhrgebiet, als am 21. April 1999 im Landschaftspark Duisburg-Nord das Finale der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) eingeläutet wurde. Die ehemalige Kraftzentrale des stillgelegten Hüttenwerks Meiderich hatte Festkleidung angelegt:

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Thalia-Buchhandlung Bonn

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Buchhandlung Ingo Klaus

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

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